So langsam geht es wieder los. Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen zeitweise in angenehme Regionen. Und damit beginnen allerorts auch wieder zunehmend die Fotoshootings. Wer den Winter über nicht im Studio unterwegs war oder einfach eine Pause eingelegt hat, der freut sich vermutlich genauso wie ich über die kommenden Tage.

Bei all der Euphorie auf das nächste Shooting sollten ein paar Dinge im Vorfeld jedoch nicht zu kurz kommen.
Equipment checken, Akkus laden, jaja, daran denken sicherlich alle. Aber wie sieht es mit Location und Gegebenheiten vor Ort aus?

An erster stelle steht bei mir in erster Linie eigentlich immer der Spaß an der Sache. Für mich bedeutet es, dass sowohl Model als auch Fotograf sich gerne oder zumindest nicht negativ an das Shooting zurück erinnern. Und das klappt eigentlich immer dann am besten, wenn sich alle Beteiligten wohlfühlen. Großen Respekt habe ich immer vor Models, welche zum Teil in Unterwäsche Fotos im Schnee machen. Viele von uns schaffen ja schon kaum 10Minuten in der MoPro Abteilung im Supermarkt.

Vor diesem Hintergrund versuche ich oft, es meinen Models so angenehm wie möglich vor Ort zu machen. Ein erster Step hierzu war damals das Penthouse, welches ich zum Umziehen oder lagern von Kleidung und persönlichen Sachen gerne bei Shootings zur Verfügung stelle. Klar, sind nicht alle Models (egal welches Geschlecht) zerbrechliche Püppchen aus Zucker, aber manchmal vergisst man im Eifer der Vorbereitung auch mal kleinere Dinge, welche man dann erst vor Ort bemerkt.

Einfache Beispiele hierfür wären zum Beispiel das anbieten eines heissen Getränks bei Kälte, vielleicht eine warme Decke in Reserve oder zumindest die Möglichkeit, sich zwischendurch mal Füsse und Hände aufzuwärmen. Das geht auch im Auto. Im Sommer können das dann Getränke, Schatten oder Ähnliches sein. Sowas kann man ja auch vorab mit dem Model besprechen.

Generell gilt für mich gegenüber meinen Models: Respekt und Vertrauen.
Was mir von meinen Models vor, während oder nach einem Shooting erzählt wird, bleibt zwischen uns. Egal ob es mit dem Shooting oder sogar mit dem Privatleben des Models zu tun hat. Das letztere kommt zumindest beim ersten Shooting nicht wirklich vor, aber auch hier freue ich mich, wenn man mir sogar bei diesem Thema vertraut.
Zwischen dem Model und mir soll zwar eine lockere und evtl. auch spaßige Stimmung herrschen aber trotzdem ein möglichst professioneller Umgang vorherrschen.

Und damit sind wir auch schon bei einem Thema, welches mich sehr oft zum Thema Fotografie beschäftigt: Der Umgang miteinander. Ich weiß selber, wie schwer es manchmal sein kann, Models zu finden, welche ohne großartige Referenzen mit mir shooten wollen (das Prinzip von Huhn und Ei). Umso mehr freue ich mich, wenn Kontakte entstehen und man mir diesen Vertrauensvorschuss in Form eines TfP-Shootings gewährt.

Leider liest man jedoch immer wieder von Fotografen, welche weit über das Ziel hinausschießen!
Sofern sich nicht spontan vor Ort Situationen ergeben, welche man gemeinsam bespricht, hält man sich gefälligst an die Regeln einer guten Kinderstube. Das sich Models bei mir bedanken, weil ich Bitte und Danke sage freute mich zuerst, dann war ich jedoch verwundert. Macht man das heute denn nicht mehr???
Was manchen Fotografen anscheinend auch nicht ganz bewusst ist: Vor Euch steht ein menschliches Wesen!
Nicht nur dessen Würde ist gemäß Grundgesetz (Artikel 1, Absatz 1) unantastbar sondern auch ihr oder sein Körper.
Wenn euch etwas an der Kleidung auffällt, oder die Haare nicht gut liegen: Sagt es dem Model oder fragt es, ob ihr es beseitigen dürft. Ungefragtes Anfassen von Models ist ein No-Go!

Genauso traurig macht mich das Thema „spontaner Aufnahmebereich Wechsel“.
Wenn ihr es nicht vorab mit dem Model besprochen habt, oder es sich vor Ort spontan ergibt und auch von beiden Seiten zugestimmt wird, dann bleibt gefälligst bei euren Absprachen! Wer mit einem Model Portrait-Bilder machen möchte und vor Ort spontan auf Akt umsteigen will, never! Du kannst zwar fragen, aber akzeptiere auch ein Nein und behandle das Model nicht wie ein dummes und billiges Stück Fleisch, nur damit du dir deine Wunsch-Bildchen machen kannst.
Leider sind es dann aber oft genau diese Fälle, welche unser aller Hobby immer wieder in Verruf bringen. Sicherlich, ich bin auch nicht perfekt. Aber ich bitte meine Models, mir mitzuteilen, wenn ihnen etwas nicht passt oder sie sich unwohl fühlen.
Kommunikation ist so wichtig, speziell in diesem Bereich.

Zum Abschluss möchte ich noch kurz das Thema TfP-Vertrag und fertige Bilder ansprechen: Sicherlich, die Aussagen zum TfP-Vertrag sind vielfältig. Manche sagen, er habe rechtlich auch keinerlei Bedeutung. Aber ich verwende ihn regelmäßig. Nicht nur bietet er mir eine Möglichkeit, einen Überblick über meine Shootings und Kontakte zu behalten. Er dokumentiert für mich weitere wichtige Parameter wie zum Beispiel Wünsche des Models. Nicht jeder möchte zum Beispiel auf Facebook verlinkt werden oder erlaubt mir nur die Veröffentlichung bestimmter Bilder. Und auch was ich mit den Bildern mache oder wo ich sie veröffentliche steht darin. Er ist auch kein zwingendes Muss, aber für mich ein Mittel der offenen Kommunikation.

Eine Interessante Frage ist oft auch die Frage danach, wie viele Bilder ich dem Model zusende. Die Antwort lautet: ALLE.
Generell schaue ich mir alle gemachten Aufnahmen aus einem Shooting an und treffe eine Auswahl. Diese Auswahl beinhaltet alle Bilder, welche technisch in Ordnung sind. Sprich es sind dann auch die Bilder, welche ich veröffentlichen würde. Meine Models erhalten dann eben alle diese Aufnahmen online zugesendet und können sie sich anschauen. Ich bitte lediglich um ein Feedback, ob und welche ich veröffentlichen darf. Dies kann dann von einer Handvoll Bildern bis hin zur Freigabe für alle Bilder reichen. Aber das Model wird so nicht überrascht von einer Aufnahme, welcher ihr oder ihm nicht zusagt.
Erst einmal passierte es, dass ich keinerlei Feedback mehr zu meinen Bildern erhalten habe. Dann gehe ich davon aus, dass das Model einer Veröffentlichung nicht zustimmt und verwende diese Aufnahmen dann auch nicht, egal wie toll sie in meinen Augen sein mögen (Respekt, you know?).

Wenn mir fremde Menschen ihre Zeit und ihr Vertrauen schenken, dann bin ich stets bemüht, dieses Geschenk als etwas sehr wertvolles zu behandeln. Und bisher klappte das denke ich mal sehr gut. Also werde ich diesen Weg weiter verfolgen.

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Fotografie bedeutet für mich mehr als nur Likes und Follower. Ich mag es, Bilder zu erschaffen und Momente festzuhalten. Humor gehört für mich auf jeden Fall immer mit dazu. Mein Schwachpunkt? Guter Kaffee!

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